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öffentlich bestellte und vereidigte (öbuv) Sachverständige vs. EU - zertifizierte Sachverständige

 

Die Personenzertifizierung nach DIN ISO 17024 ist gleichwertig zur öffentlicher Bestellung.

2009 gab es eine weitreichende Veränderung im Bereich des Sachverständigenwesens. Das langjährige Monopol der Kammern, Sachverständige zu berufen wurde aufgebrochen.

Der Gesetzgeber sah sich durch die EU-Dienstleistungsrichtlinie DLR und die EU Berufanerkennungsrichtlinie BAR veranlasst, ein Gesetz zur Umsetzung der Dienstleistungsrichtlinie im Gewerberecht zu erlassen (BGBL. I 2009 S. 2091).

§ 36 der Gewerbeordnung, der bisher alleinige Rechtsgrundlage für die hoheitliche Stellung der Kammern bei der Auswahl und Ernennung von öffentlich bestellten Sachverständigen war, wurde durch § 36a GewO ergänzt.
Gleichzeitig wurde 2009 das Akkreditierungsstellengesetz* erlassen, wodurch die Einrichtung und die Aufgaben der Akkreditierungsstellen geregelt werden.

Neben den Kammern könne sich Sachverständige nun auch von einer Zertifizierungsstelle, die nach DIN EN ISO/IEC 17024 arbeitet, zertifizieren lassen. Durch die gesetzliche Regelung des Zertifizierungswesens gibt es in Deutschland nunmehr zwei Systeme, die gleichwertig nebeneinander bestehen. Die öffentliche Bestellung nach §36 GewO durch eine Kammer und die Zertifizierung nach ISO 17024 durch eine unabhängige Zertifizierungsstelle.

Die Gleichstellung und damit die Gleichwertigkeit von öffentlicher Bestellung und Zertifizierung nach ISO 17024 wurde nicht nur durch das Gesetz zur Umsetzung der Dienstleistungsrichtlinie im Gewerberecht manifestiert, sondern durch zahlreiche Gesetzesänderung unmissverständlich untermauert. Neuere Gesetze, wie zum Beispiel das Bewertungsgesetz BewG, in der Erbschaftssteuerichtlinie sowie in der InvG (§ 77 Abs.2) oder im Pfandbriefgesetz (PfandBG) wurden insoweit geändert, dass die ausschließliche Zuständigkeit von öffentlich bestellten Sachverständigen gestrichen wurde.

Diese Änderung der Gesetzgebung führt dazu, dass die Kammern, wenn auch ungern, auf Anfrage schriftlich bestätigen, dass öffentlich bestellte Sachverständige und zertifizierte Sachverständige (nach ISO 17024) als gleichwertig zu betrachten sind. Nach Aussage mehrerer Gerichte wurden diese aufgefordert, zertifizierte Sachverständige zur Begutachtung heranzuziehen und diese, sofern es sich um Verfahren mit internationalem Bezug handelt, sogar zu bevorzugen.

Die ISO 17024 ist eine weltweit anerkannte und durch internationale Verträge vereinbarte Norm. In der Einleitung zur DIN EN ISO/IEC 17024 wird klargestellt, dass die Zertifizierung von Personen darauf abzielt, die Kompetenz der zertifizierten Person in Bezug auf das Zertifizierungsprogramm zu bestätigen. Der weltweit akzeptierte Prozess der Begutachtung garantiert dabei, dass die Zertifizierungsprogramme begutachtet und überwacht werden und die Kompetenz der zertifizierten Person untermauern. Durch die Anerkennung der Weltnorm ISO 17024 als europäische Norm (EN) und als Deutsche Norm (DIN) ist die Zertifizierung 17024 auch in Deutschland voll anerkannt.

Bei der Zertifizierung nach 17024 sollte darauf geachtet werden, dass die Zertifizierungsstelle selbst auch akkreditiert und überwacht wird. Für große Verwirrung am Markt sorgen Zertifizierungsstellen, die Sachverständige „zertifizieren“ und ihnen darüber eine Urkunde oder ein Zertifikat erteilen. Oftmals gehen diese Sachverständigen davon aus, dass Sie über eine Zertifizierung nach der international anerkannte DIN EN ISO/IEC 17024 verfügen. Dem ist jedoch bei weitem nicht so. Solche Zertifizierungen sind eher irreführend sowohl für den Sachverständigen als auch für den Verbraucher, der sich mit den Gesetzen und Richtlinien nicht auskennt. Das Erwachen ist groß, wenn ein vermeintlich „zertifizierter“ Sachverständiger eben nur aufgrund einer privatrechtlichen Regelung und nicht aufgrund der international anerkannten Norm DIN EN ISO/IEC 17024 zertifiziert ist.

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Gerichtsgutachter / Gerichtssachverständiger


Gerichtsgutachter erhalten Ihren Auftrag vom Gericht und unterstehen allein diesem.

Eine Berufsausbildung oder spezielle Qualifikation zum Gerichtsgutachter gibt es nicht.
Gerichtsgutachter ist keine besondere Berufsbezeichnung, sondern ein von einem Gericht mit einem Gutachten beauftragter "normaler" Sachverständiger.

Wird ein Sachverständiger von einem Gericht zur Gutachtenerstattung beauftragt, kann er sich hierfür als Gerichtsgutachter bezeichnen, allerdings auch nur für diesen Auftrag. Der Gerichtsgutachter oder Gerichtssachverständige ist der durch ein Gericht in einem Zivil- oder Strafprozess beauftragte Sachverständige der dem Richter zuarbeitet. Ein/e Richter/in kann sich eines jeden Sachverständigen bedienen und diesen hinzuziehen.

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Privatgutachter / Privatgutachten

 

Ein Sachverständiger wird entweder als Privatgutachter von einer Partei oder als Gerichtsgutachter durch das Gericht beauftragt.

Privatgutachten werden im Auftrag von Privatpersonen, Unternehmen und / oder Behörden auf Grund eines privatrechtlichen Auftrags erstattet. Wenn der Sachverständige von einer Partei als Privatgutachter den Auftrag erhält, ist sein Gutachten für die Gegenseite zwar erst einmal nicht verbindlich, jedoch ist ein, vor oder während eines eventuellen Prozesses, eingeholtes Privat-Gutachten ein qualifizierter Parteivortrag und beweisrechtlich keineswegs wertlos. Die Pflicht des Gerichts, qualifizierten Parteivortrag ernst zu nehmen, verpflichtet auch den noch zusätzlich beauftragten Gerichtsgutachter das vorgelegte Privatgutachten ernst zu nehmen und es bei der Erstellung des Gerichtsgutachtens mit einzubeziehen. Desweiteren macht ein privates Gutachten Sinn, um event. Feststellungen eines gerichtlich beauftragten Sachverständigen zu widerlegen.

Der ideale (und oft kostengünstigere und schnellere) Weg für beteiligten Parteien kann auch die außergerichtliche Streitbeilegung über einen Schiedsvertrag sein. Beide Parteien müssen sich hier auf einen Sachverständigen einigen. Dann sollte in einem schriftlichen Vertrag vereinbart werden, dass sich beide Parteien dem Gutachterergebnis unterwerfen.

Dieses Vorgehen kann, gegenüber oft jahrelang andauernden gerichtlichen Verfahren sehr viel Geld, Zeit und Nerven sparen.

 

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"Berufsbezeichnung" Sachverständiger / Gutachter

 

Die Bezeichnung Sachverständiger / Gutachter ist rechtlich nicht geschützt. Grundsätzlich steht es jedem offen, sich so zu bezeichnen (und das machen auch viele).

Die Berufsbezeichnung Gutachter und Sachverständiger setzt jedoch einen Nachweis der besonderen Fachkunde voraus. Bei öffentlich bestellten oder nach DIN EN ISO/IEC 17024 zertifizierten Sachverständigen wird die erforderliche Fachkunde durch eine förmliche Abschlussprüfung und -beurteilung belegt.


Zwei Kriterien bilden hierbei den Nachweis der Fachkompetenz:
1. eine fundierte Ausbildung
2. Berufserfahrung in dem Fachgebiet
 
Kein Kriterium ist die bloße Erwähnung einer Vielzahl von bereits erstellten Gutachten.

Zwar darf jeder eine ungeschützte Berufsbezeichnung verwenden, ein Nachweis für eine besondere Fähigkeit und Fachkompetenz ist das allerdings nicht. Frage Sie beim Gutachter / Sachverständigen Ihres Vertrauens die berufliche Qualifikation und Berufserfahrung nach. So können Sie den Spreu vom Weizen trennen und sich "Fachgutachten", die sich später eventuell als Makulatur entpuppen, ersparen.